Starke Signale für eine gerechte Klimapolitik– Unsere Erlebnisse und Eindrücke der Proteste zum Auftakt der COP 23 in Bonn

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Unsere Forderung vor dem Tagebau Hambach

Tausende von Menschen aus aller Welt haben sich am Wochenende vor der Eröffnung der 23. UN-Klimakonferenz in Bonn eingefunden, um an die Abgeordnete zu appellieren, sich für den sofortigen Ausstieg aus fossilen Energieträgern stark zu machen. Die Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen geht mit hohen CO2-Emissionen einher; die Verbrennung von Braunkohle ist die mit Abstand klimaschädlichste Form der Stromgewinnung. Dennoch müssen nach wie vor Menschen im rheinischen Braunkohlerevier ihre Heimat verlassen, um den Baggern der RWE Platz zu machen, die die Erde aufreißen, auf der einst ihre Häuser standen. Bis 2045 soll die gesamte Kohle im Rheinland abgebaut sein. Wenn tatsächlich all diese Kohle abgegraben und verstromt wird, besteht keine Chance die Klimaerwärmung unter 2 °C zu halten, wie es das Pariser Abkommen vorsieht!

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25.000 Menschen demonstrieren für Klimagerechtigkeit und Kohleausstieg

Daher zogen am Samstag rund 25.000 Menschen mit Bannern und Parolen unter dem Motto „Klima schützen – Kohle stoppen“ durch die Bonner Straßen, um zu signalisieren, dass wir den Ernst der Lage kennen und uns nicht mit leeren Versprechen als Resultat der Klimakonferenz abspeisen lassen.

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Eine klare Botschaft auf der Kundgebung nach der Demo

Der Sonntag begann mit einer Zeremonie der Pacific Climate Warriors. Das ist eine Klimabewegung verschiedener Frontline Communities und indigener Gemeinschaften aus dem Pazifikraum, die unter dem Banner „We are not drowning, we are fighting“ (Wir ertrinken nicht, wir kämpfen), zusammenkommen. Ihr Lebensraum wird durch die hierzulande betriebene Kohleverstromung unmittelbar gefährdet. Einige der Pazifikinseln liegen nur wenige Meter über dem Meeresspiegel.

Die Zeremonie fand in Manheim, einem kleinen Ort am Rande des Tagebaus Hambach statt, der umgesiedelt wird um der sich ausbreitenden Mine Platz zu machen.

Bereits über 40.000 Menschen wurden im Rheinland zu Gunsten des Klimakillers Braunkohle aus ihrem Zuhause vertrieben, über 100 Siedlungen von den Kohlebaggern der RWE verschluckt. Da die Böden in der betroffenen Region aus Parabraunerden bestehen, die sich durch ihre besondere Fruchtbarkeit auszeichnen, ist die Umsiedlung und Zerstörung der Landschaft auch ein besonders herber Verlust für die Landwirtschaft. Dass der Erhalt einer derart wertvollen Landschaft und Heimat Tausender Menschen zweitrangig ist und sich den umweltschädlichen Interessen eines einzigen Energiekonzerns beugen muss, ist erschütternd. Vor allem vor dem Hintergrund des Pariser Abkommens, dessen Einhaltung nur durch den Verzicht auf fossile Energieträger gewährleistet werden kann, stellt sich die Umsiedlung dieser Dörfer durch die RWE Power AG als vollkommen ungerechtfertigt dar.

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Antje Grothus von der Initiative Buirer für Buir bedankt sich bei den Pacific Climate Warriors für die inspirierende Zeremonie

So wurde durch die Zeremonie der Pacific Climate Warriors, in die auch zwei Aktivistinnen aus Klimabewegungen in Deutschland einbezogen wurden, unsere Verbundenheit im Kampf um unsere Lebensräume ausgedrückt. Der Kohleabbau, zu dessen Gunsten immer wieder Menschen aus ihrer Heimat vertrieben werden, ist auch einer der Hauptgründe dafür, dass der Lebensraum der Menschen im Pazifik durch Klimakatastrophen und den steigenden Meeresspiegel massiv bedroht ist. Überall auf der Welt verlieren Menschen ihr Zuhause, weil ein paar Wenige um jeden Preis mit der altmodischen und überholten Technologie der Kohleverstromung Profit machen. Daher wird die Forderung nach Klimagerechtigkeit immer lauter.

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Nicht nur die Ortschaft Manheim, sondern auch der Hambacher Forst, die ehemals größte Waldfläche  im Rheinland, müssen diesem gigantischen Tagebau weichen

Bislang hat Deutschland es geschafft, sein Image als Energiewendevorreiter aufrecht zu erhalten. Und das, obwohl das rheinische Braunkohlerevier in unmittelbarer Nähe des Austragungsorts der Klimakonferenz die größte CO2-Quelle Europas ist!

Um diese Farce zu demaskieren, haben sich einige Aktivist*innen der Aktion „Ende Gelände“ angeschlossen und sind in den Hambacher Tagebau eingedrungen. Die entschlossenen Umweltschützer*innen stellten sich der Polizei entgegen und kämpften sich ihren Weg durch Gräben und über Wehre zu den Baggern vor, um deren Stillstand zu erzwingen. So wurde zum einen Aufmerksamkeit dafür geschaffen, dass Deutschland keinesfalls so klimafreundlich ist, wie es sich darstellt und noch viel Arbeit mit der Energiewende vor sich hat. Zum anderen wurde signalisiert, dass die Klimaaktivist*innen sich nicht davor scheuen, den Kohleausstieg selbst in die Hand zu nehmen, sollten die Regierungsvertreter*innen sich auf kein erfolgsversprechendes Regelwerk zur Umsetzung des Pariser Abkommens einigen können, zu dem unter anderem der vorzeitige Kohleausstieg gehört.

Wir sind sehr froh, bei den Protesten im Vorfeld der COP 23 dabei gewesen zu sein und zu spüren, wie stark die Klimaschutzbewegung ist! Wir hoffen, dass dies auch bei den aktuell tagenden Regierungsvertreter*innen angekommen ist und blicken gespannt auf den Ausgang der Konferenz. In jedem Fall wird am 11.11.17 noch einmal kräftig demonstriert, für ein Klima der Gerechtigkeit! Informationen zur Demo am 11.11 findet ihr hier:

https://www.facebook.com/DemoKlimakonferenz/

Wer mit nach Bonn kommen möchte aber nicht weiß, wie und mit wem, kann sich gerne bei uns melden. Je mehr und lauter wir sind, desto besser! Am besten erreicht ihr uns über unsere Facebook-Seite:

https://www.facebook.com/FossilFreeStuttgart/

Dort findet ihr noch weitere Eindrücke, unter anderem auch Videos, vom vergangenen Wochenende.

Gerne könnt ihr auch zu unserm nächsten Treffen am Montag, den 13.11. um 18:30 Uhr im Buschpilot kommen. Wir freuen uns auf Euch!

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