Behaltet eure dreckige Kohle!

Wir wollen eure dreckige Kohle nicht – denn die zerstört das Klima, missachtet Menschenrechte und schadet der Gesundheit. Deswegen haben wir beim WeltSTATTMarkt 2016 gemeinsam mit Stuttgart Open Fair – Vernetzung, dem Klima- und Umweltbündnis Stuttgart und vielen anderen ein kleines Straßentheater aufgeführt.

PRESSEMITTEILUNG

von
–      Fossil Free Stuttgart
–      Klima- und Umweltbündnis Stuttgart
–      Stuttgart Open Fair

Stuttgart, den 2. Juni 2016

„Behaltet eure dreckige Kohle!“

Symbolische Aktion am Samstag (4. Juni) auf dem Stuttgarter Schlossplatz / Aktivist*innen legen beim WeltSTATTMarkt selbst Hand an für Klimagerechtigkeit

Ein Kohlehaufen mitten auf dem Schlossplatz zeigt: Auch in Stuttgart müssen jetzt klimapolitische Entscheidungen getroffen werden, damit Kohle und andere fossile Rohstoffe weder gefördert noch verbrannt werden. Mit Eimern tragen die Klimaaktivist*innen den Kohlehaufen in einer Menschenkette ab und bringen den Investoren der LBBW symbolisch ihre dreckige Kohle zurück. Die LBBW hat 1,2 Milliarden Euro im Kohlegeschäft liegen und befindet sich damit im internationalen Vergleich unter den 50 größten Kohlebanken.

Mit den Worten „Behaltet eure dreckige Kohle!“ stellen sich die Aktivist*innen gegen die Energieversorgung aus der Verbrennung von Kohle sowie gegen Investitionen in fossile Energieträger und Unternehmen der fossilen Brennstoffindustrie durch die Banken.

Die Kohle, die in der Aktion bewegt wird, stammt aus der unmittelbaren Umgebung des EnBW-Kraftwerks Münster. Um den Klimawandel aufzuhalten, müsse die Kohle im Boden bleiben und öffentliche Gelder aus der Finanzierung des Klimawandels abgezogen werden, fordern die Aktivist*innen, mit Atemmasken und in weißen Overalls gekleidet. Nur so könne letztlich das auf dem UN-Klimagipfel in Paris verabschiedete Ziel von maximal 1,5 Grad globaler Erwärmung eingehalten werden und öffentliche Gelder vor der Entwertung geschützt werden. Außerdem geht der Kohleabbau zu oft mit einer Missachtung von Menschenrechten, z. B. in Kolumbien, einher, die die Aktivist*innen ankreiden. Das Integrierte Energie- und Klimaschutzkonzept der Landesregierung droht an der immensen Kohleverstromung zu scheitern.

Die Aktion verknüpft die Initiativen für Klimagerechtigkeit, gegen Feinstaub und für Divestment in Stuttgart mit weiteren globalen Themen des diesjährigen Stuttgart Open Fair, das den WeltSTATTMarkt 2016 unter dem Motto „Säen für die Stadt von morgen“ organisiert hat.
Die Aktion findet um 14.00 Uhr auf dem Schlossplatz, auf der Kreuzung Königsstraße/ Planie am Rande des WeltSTATTMarkts statt. Die Aktion wird gegen 15.20 Uhr wiederholt und auf der Weltbühne des WeltSTATTMarkts kommentiert.
Voraussichtlich wird Herr Umweltminister Franz Untersteller ab 14 Uhr den WeltSTATTMarkt besuchen.

Pressekontakte

Peter Streiff (Stuttgart Open Fair)
Telefon: 0160 / 99614517
Mail: presse@stuttgartopenfair.de

Dieter Bareis (Klima- und Umweltbündnis Stuttgart)
Telefon: 0157 / 88049317
Mail: Dieter.Bareis@web.de

Statements der beteiligten Organisationen

Fossil Free Stuttgart
Wenn es falsch ist, das Klima zu zerstören, dann ist es falsch von dieser Zerstörung zu profitieren. Ganz abgesehen davon, dass es sich noch nicht einmal finanziell lohnt. Deswegen fordert Fossil Free Stuttgart von der Stadt Stuttgart, ihre Gelder aus der fossilen Brennstoffindustrie abzuziehen (= Divestment) und stattdessen in nachhaltige Anlageformen zu investieren wie zum Beispiel erneuerbare Energien. „Unser Ziel in Kurzform: Klimaschutz und Schutz öffentlicher Finanzen vor der Kohlenstoffblase.“
http://www.fossilfreestuttgart.wordpress.com

Klima- und Umweltbündnis Stuttgart (KUS)
Das KUS möchte eine Politik der Nachhaltigkeit durchsetzen. Dazu bedarf es dringlich einer Energie-, Wärme- und Verkehrswende. Bei der Energie- und Wärmewende wollen wir schnellstmöglich auf Erneuerbare Energien umsteigen und brauchen hierzu funktionierende Stadtwerke mit 100% Ökostrom und ausgebauten Nah- und Fernwärmenetzen. Im Verkehrsbereich wollen wir den Umweltverbund (Fußgänger, Radfahrer, ÖPNV) stärken. Die Bedeutung von Autos muss zurückgedrängt, ihr Antrieb klima- und umweltfreundlich werden. Statt dicker Luft im Kessel brauchen wir den frischen Wind des Nachhaltigkeitswandels!
http://www.kus-stuttgart.de

Stuttgart Open Fair 2016: Säen für die Stadt von morgen
Die Ergebnisse des UN-Klimagipfels in Paris fordern uns auf, vor Ort aktiv zu werden. Das diesjährige Stuttgart Open Fair beleuchtet globale Entwicklungen vor den konkreten Veränderungen und Ansätzen vor Ort. Der Erfolg des Klimagipfels wird sich auch daran messen lassen, ob es in Stuttgart deutliche Schritte für eine solidarischere und ökologischere Welt geben wird. Ende April hatte das Bündnis unter dem Titel „Klimawandel einkesseln!“ in einem Stadtteilgespräch nach gemeinsamen Handlungsansätzen gesucht: Was sind lokale Ziele und Strategien für globale Klimagerechtigkeit? Welche Aktivitäten sind gemeinsam in Stuttgart umsetzbar? „Für die Stadtentwicklung in Stuttgart sollte das Ergebnis des Klimagipfels schon bald spürbare Auswirkungen haben“, sagte Marieke Kodweiß vom Stuttgart Open Fair und fuhr fort: „Denn jetzt muss sich einfach etwas bewegen. Das Klimathema kann verschiedene soziale Bewegungen zusammenführen, die verstärkt für eine andere Stadt, eine andere Welt aktiv werden, wie die heutige Aktion gezeigt hat.“
http://www.stuttgartopenfair.de

VERTIEFENDE HINTERGRUNDINFO

Klimaschutz und Schutz öffentlicher Finanzen vor der Kohlenstoffblase
Das hat die Gruppe Fossil Free Stuttgart  in einer Petition an den Stuttgarter Stadtrat formuliert, die seit Beginn des Jahres zudem in Kontakt mit verschiedenen Stuttgarter Parteien steht. Inzwischen liegt dem Gemeinderat ein Antrag von der BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN-Gemeinderatsfraktion und der Fraktionsgemeinschaft SÖS-LINKE-PluS vor. „DIVEST NOW! Dekarbonisierung städtischer Finanzanlagen – Städtische Anlagerichtlinien anpassen“ heißt dieser. Er beinhaltet u.a. die folgende Forderung: „Die Stadt investiert nicht neu in Unternehmen, die ihrerseits noch in den Rohstoffabbau von Kohle und Öl, mittelfristig auch Erdgas, investieren und nicht in solche, deren Geschäftsfeld (auch) die Energieerzeugung mit Kohle/Öl ist.“
Auch die SPD-Gemeinderatsfraktion hat einen Antrag vorgelegt, der die Nachhaltigkeit der Geldanlagen der Stadt und der SVV hinterfragt.

Ende des fossilen Zeitalters
Das Ende von Kohle, Öl und Gas ist absehbar. Denn um die globale Erderwärmung auf 1,5° Celsius zu begrenzen, müssen mehr als 80% der bisher bekannten fossilen Brennstoffreserven unter der Erde bleiben. Ansonsten drohen katastrophale Folgen für Natur und Gesellschaft. Trotzdem investieren Unis, Städte, Kirchen und andere Institutionen direkt oder über sogenannte Klimakillerbanken in RWE, E.ON, Shell und Gazprom. Die LBBW hat 1,2 Milliarden Euro im Kohlegeschäft liegen und befindet sich damit im internationalen Vergleich unter den 50 größten Kohlebanken. Als Miteigentümerin der LBBW wird das Thema Divestment ganz schnell akut für die Stadt Stuttgart.

Die Kohlenstoffblase
Und was ist diese Kohlenstoffblase? Die „Carbon Bubble“ bezeichnet die aufgeblähte Investitionsblase in fossile Brennstoffe. Sie ist das Ergebnis einer Überbewertung von Kohle-, Öl- und Gasreserven, die nicht berücksichtigt, dass der Großteil der fossilen Reserven einem hohen Risiko ausgesetzt ist, unverwertbar zu sein. Dieser Fall tritt ein, sobald die Konsequenzen aus den Pariser Beschlüssen gezogen werden und entsprechende Gesetze in Kraft treten. Damit würden die Gelder als sogenannte stranded assets stark oder gar ganz an Wert verlieren. Davor wollen wir die öffentlichen Gelder in Stuttgart schützen.

KUS 2016 Warum wir einen raschen Ausstieg aus der Förderung und Verbrennung von Kohle und aus dem Investment in Kohle fordern